Warum wir Bewertung `brauchen´

 

Kürzlich wieder die Aussage gehört: „Man soll doch nicht bewerten!“ - das sei `schlecht´ und im selben Atemzug wird dann auch die Beurteilung genannt.
Die Bewertung wird automatisch als Urteil und somit gleichbedeutend mit Kritik verstanden und empfunden. Auch ich habe diese Aussage lange geglaubt. Habe mich schlecht gefühlt und mich oft auch selbst verurteilt, wenn ich `negativ´ bewertet habe. Inzwischen sehe ich jedoch die Unterschiede dabei.

 

Wenn ich in einer Sache keinen Wert (für mich) sehe, dann nehme ich ihr ihren Wert – ich werte ab. Die Abwertung ist negative Beurteilung. Ganz einfach, weil ich der Sache ihren eigenen Wert nicht lasse bzw. diesen erkennen kann. Die negative `Beurteilung´ geschieht in der Abwertung und wenn ich diese dann auch noch äußere – nach Außen trage – wird sie zur Kritik.
Kritik und Verurteilung sind Zeugnisse davon, wo ich den Eigenwert einer Sache oder Person nicht erkennen kann oder will. Sie sind Zeugen dessen, was ich nicht annehmen kann.
Sie haben nichts damit zu tun, etwas zu bewerten.

 

Bewertung ist nämlich sehr wichtig.
Zum einen können wir ohnehin nicht nicht bewerten, zum anderen dient mir die Bewertung um zu erkennen, was für mich wichtig ist.
Zu unterscheiden, was `gut´ oder `weniger gut´ ist, ist wichtig für unser Wohlbefinden und das Finden unseres eigenen Weges. Wenn ich nicht bewerten darf, kann ich nicht feststellen oder erkennen, welchen Weg ich einschlagen soll – wo es mich hinzieht.

 

Wie es das Wort selbst schon aussagt, mit (m)einer Bewertung gebe ich den `Dingen´ (m)einen Wert. Ich messe etwas einen Wert bei. Die Bewertung ist deshalb durchweg positiv, denn ich `gebe´ bzw. lasse einer Sache ihren Wert. Selbst wenn ich keinen Wert für mich persönlich feststelle, werte ich deshalb `die Sache an sich´ nicht ab. Denn alles das und jeder der existiert, HAT einen Wert!
Es gibt im ganzen Universum nichts wertloses, sonst gäbe es ES nicht! Alles und jeder hat SEINEN eigenen Wert! Diesen Wert erkennen wir nur nicht allumfassend. Nur wenn ich bemerke, dass mir etwas gefällt, es mir dient, mir Freude macht, mich weiterbringt usw. dann hat es FÜR MICH einen bestimmten Wert → dann erkenne ich einen Wert (zum Teil oder vollkommen).
Aber auch wenn ich erkenne, dass es mir nicht dient, mir keine Freude bereitet, mir nicht gut tut, ist das Erleben und kennenlernen dessen ebenso von Wert. - Der Wert der Erkenntnis...

 

Es ist alles von Grund auf gleich Wert-voll – gleich gültig. Nur durch den Nutzen der Einzelnen wird es unterschiedlich `be-wertet´. Jeder einzelne misst ein und der selben Sache einen unterschiedlichen Wert – SEINEN Wert bei.

 

Nun, versuche einmal ganz ehrlich einen ganzen Tag lang ohne Bewertung auszukommen.
Ich sage dir, es ist eine Illusion, zu glauben, dass das möglich ist. Und es ist sehr Verantwortungslos zu behaupten, dass es schlecht ist, bzw. man es unterlassen soll...
Man könnte der Erde ebenso sagen, sie darf sich nicht mehr um die Sonne drehen

 

Schon morgens beginnt die unbewusste Bewertung: Was für ein `herrlicher´ Tag´. Wie `gut´ der Kaffee schmeckt. Ich sehe heute aber `müde´ aus. Die Farbe dieser Jacke ´gefällt´ mir heute nicht.

All das sind Be-Wert-ungen! Und sie dienen uns, um uns zu orientieren,. Sie lassen uns erkennen, was gut für uns ist oder auch nicht. Sie dienen uns als Entscheidungshilfe und zur Erkenntnis.
Gefällt mir etwas nicht so gut, dann wähle ich etwas, das besser zu mir passt. (Farbe der Jacke zB.)
Bewertungen sind Ausdruck unseres Empfindens, unseres Wohlbefindens, unserer Freude und vor allem bestimmen wir damit den Wert FÜR UNS persönlich. Wir geben damit unsere Wertschätzung bekannt. Daran ist weder etwas falsch noch ist es schlecht. Es dient uns allen als Richtlinie
Das Wort Wertschätzung trifft die Bedeutung noch viel passender. Ich schätze den Wert einer Sache. Ich `schätze´ den Wert für mich `ein´.

 

Wenn ich mir verbiete zu bewerten, nehme ich mir die Möglichkeit, meinen Weg zu finden. Einfach weil ich mir nicht mehr erlaube, die Dinge nach `meinem´ Wert → in welchem Maße sie mir dienen, zu sortieren.
Alles was ich hoch bewerte ist ein Hinweis – ein Richtungsweiser, wohin mich mein Weg führt, was meinen Interessen entspricht und so auch, wo es mein Herz hinzieht.

 

Bewertungen sind Wegweiser für mich!
Wenn ich den Dingen auf meinem Weg keinen Wert beimesse dann `weiß´ ich nicht, dass diese `Weggabelung´ mich nicht weiter bringt. Ich erlaube mir nicht, mich zu entscheiden...
Wir müssen etwas nicht abwerten, nur weil wir erkennen, das es uns nicht weiterbringt oder uns nicht gefällt. Ich muss einer Sache Ihren Wert nicht nehmen, indem ich sie (in meinen Augen) als ungenügend, und unnütz betrachte, bzw. be- oder verurteile. Hier bin ich in der Kritik und die dient niemandem.

 

Sie zeigt nur – und hier wähle ich ganz bewusst ein radikales Wort – dass ich unfähig bin, den ganz eigenen Wert einer Sache oder Person (und ihres Handelns) anzuerkennen. Und das nur, weil ich ihren Wert nicht erkennen kann oder mir nicht dient...?

 

Wenn ich jemandem oder etwas (s)einen Wert beimesse, bin ich automatisch in der Wertschätzung. Ich erkenne dessen Wert an. Auch wenn ich ihn in einem von mir bestimmten Maß `benenne´.
Ich be-werte. Gebe ihm (meinen) Wert bzw. anerkenne, dass er/sie/es einen Wert hat.
Wenn ich jemandem oder etwas seinen Wert abspreche, ablehne – dann bin ich nicht mehr im `geben´ sondern im nehmen.
Ich potenziere nicht sondern minimiere. Ich stelle die Daseinsberechtigung `der Sache´ oder Person in ihrem Handeln (so wie sie gerade ist) in Frage – ja ich spreche dem damit sogar die Daseinsberechtigung ab
Das ist weder Be-wertung noch Wert-schätzung. Es ist einfach nur Abwertung → Verleugnung → ist destruktiv.

 

Lasst euch also nicht einreden, dass Bewerten negativ ist und ihr das nicht mehr tun dürft wenn ihr `erwachen´, bewusster oder was auch immer werden wollt...
Wenn du dir nicht mehr erlaubst, irgendetwas zu bewerten, weil man dir sagt, das darf man `als spiritueller´ Mensch nicht tun → das ist schlecht, wirst du sehr schnell in einen inneren Konflikt kommen, weil dir deine eigene innere Entscheidungshilfe, dein Wegweiser fehlt.
Du bleibst orientierungslos und verwirrt `zurück´.

 

DAS ist nicht im höchsten Interesse des Lebens und hochgradig verantwortungslos!
Ein angeblich spiritueller Mensch oder Lehrer, der behauptet, man darf nicht werten, verleugnet seinen eigenen Weg – und auch die Dualität in der wir nun mal leben. Denn es gibt nun einmal immer 2 Pole auf einer Achse → `gut´ UND `schlecht´. (Je nach Betrachtung-Wertung)

Wer das leugnet, weil er nicht `schlecht´ bewerten will, lebt im Ungleichgewicht, in der Ablehnung. Diese Menschen belügen sich selbst und auch andere. Denn wir können nicht nicht bewerten. Es ist unser Navi, das uns sagt, was uns gut tut, gefällt, uns dient oder eben nicht!

 

Lass die Bewertung fallen und du bleibst stehen und weißt nicht mehr weiter → DANN bist du auf Andere als Wegweiser angewiesen … (vielleicht auf jenen spirituellen Lehrer, der dir diesen Rat gegeben hat??) Ja, und du folgst den spirituellen Lehrern und verlierst deine Selbstbestimmung und deinen eigenen Weg. Denn du gehst nicht mehr deinen Weg sondern folgst dem eines anderen.

 

Leider erkennen diesen Irrtum oft nicht einmal die sogenannten spirituellen Lehrer, weil sie so überzeugt davon sind, dass nur `das Gute´ zur Erleuchtung und Erlösung führt.
Aber genau damit ist der spirituelle Lehrer SELBST in der Bewertung!
Vielleicht erkennt er es gar nicht, oder verleugnet es ?!?!
Denn woher `weiß´ ER denn, was an Sich gut oder an Sich nicht gut ist?
Durch seine eigene Bewertung!

 

Dir und allen anderen will er jedoch `weiß´ machen, dass bewerten nicht gut ist – dich nicht weiter bringt?!
Sei Achtsam, was du glaubst und wem du folgst – bzw. folge niemandem, denn deinen Weg kennt nur DEIN inneres Navi .

 

Glaube auch mir nicht ungeprüft von deinem Inneren – folge nur deinem Gefühl, das sich dabei einstellt und dir IMMER signalisiert, was für dich stimmig ist – wo dein Weg hingeht...

 

Zum Abschluss möchte ich noch einmal den kleinen Grad beschreiben und erklären, der von der Bewertung über die Beurteilung in die Kritik führt:
Solange ich die Bewertung für meine Orientierung nutze (und auch um andere zu fördern und zu unterstützen), wird der Wert darin `gehalten´ oder gehoben.
Wenn ich meine ganz persönliche Bewertung aber nach außen trage, um etwas an der Sache oder Person an sich zu verändern, wird aus meiner Bewertung ein Urteil, mit dem ich zu erkennen gebe, dass der Wert, den ich darin sehe in meinen Augen zu gering ist... Damit nehme ich im Grunde der Sache ihren Wert und falle in die Kritik.
Es liegt wohl daran, dass bisher meist genau so verfahren wurde und deshalb die Bewertung an Sich so missverstanden und schlecht `bewertet´ wurde ( schon wieder eine Wertung ).

 

Ich möchte dir hier mit auf deinen Weg geben, dass zu für dich selbst erkennen lernst und bestimmst, was dich weiter bringt, was dir gut tut und was dir gefällt – was du wirklich brauchst... Und dazu bediene dich jederzeit der Bewertung – ganz für dich allein.
Deshalb prüfe bitte immer, was von dem was du hörst, liest und auch denkst, dir wirklich stimmig erscheint – sich stimmig anfühlt... vertraue mehr und mehr deinem Gefühl und weniger dem, was andere (aus ihrer Sicht) für richtig halten.
Blind dem Weg eines anderen folgen, kann für dich der Untergang sein.
Indem du `bewertest´ was dir zugetragen wird – von wem auch immer – wirst du deinen eigenen Weg finden und sicher gehen können. ;-)
Nur wenn du bewertest, was sich in deinem Leben zeigt, kannst du den für dich `hochwertigen´ Weg erkennen und gehen – den für dich erfolgreichen Weg <3

 

In bedingungsloser Wertschätzung für deine Individualität ?
deine Monika Anasha

28. Mai 2017 - 13:20h