Schuld und Scham – oder – mein Problem mit der Sichtbarkeit

 

Die Zusammenhänge und Hintergründe, die sich mir Stück für Stück in den letzten Monaten zeigten; in vielen verschiedenen Ereignissen und Erlebnissen offenbarten sich für mich die Puzzleteile meiner Blockade: Vertrauensvoll nach Außen zu treten.

 

Scham und Schuld ist dabei ein zentrales Thema. Und es offenbart sich für mich auch, was der Hintergrund meines Verlangens ist, dass jeder Mensch, jedes Kind frei und uneingeschränkt aufwachsen,sich entwickeln kann. Das Sichtbar sein und werden ist für mich hier jetzt zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Dass ich so sehr für freie Entwicklung stehe, ergibt sich aus meinen eigenen Einschränkungen. Dass ich selbst mich nicht frei und ungezwungen entwickeln konnte, weil ich mich soo sehr unterdrückt und angepasst habe.

 

Die Blockade, die es mir erschwert nach Außen zu treten – wahrgenommen zu werden, liegt verstrickt mit meiner allumfassenden Zurücknahme und Anpassung aus meiner Familiendynamik heraus und einem Erlebnis im `Außen´, womit sie sich vollendet hat

 

Aktuell habe ich in den letzten 3 Monaten erleben dürfen, was in mir wirkt. Mir wurden sehr deutlich die Auswirkungen dessen, was im Verborgenen lag, deutlich gezeigt:

 

Bei meinem 1. Vortrag im September hatten sich 4-5 Interessenten angemeldet, jedoch sich nur eine Zuhörerin eingefunden.
Den Tag hatte ich schon mit gemischten Gefühlen in einem anderen Bereich begonnen, was schon eine erste Rückzugtendenz in mir hervorrief und den Gedanken an eine Absage formte.
Natürlich kam das nicht in Frage, doch die Tatsache, dass sich `nur´ eine Zuhörerin einfand, nahm ich mit einer irrwitzigen Erleichterung zum Anlass, den Vortrag nicht zu halten und zu verschieben. Gleichzeitig fühlte ich mich aber unwohl bei dieser Entscheidung. In diesem Moment konnte ich jedoch nicht `sehen´, was ich da tat und schon gar nicht warum...
Ich fuhr mit einem schlechten Gewissen nach Hause. Ich fühlte mich schuldig gegenüber dieser einen interessierten Dame. Und ich schämte mich – dass ich auch die Geschäftsinhaber `umsonst´ bemüht hatte...
Ich wollte in meiner Scham und Schuld nur noch nach Hause – Flucht,mich verstecken... Mein inneres verletztes Kind wirkte. Uralte Verhaltensmuster sprangen an und lähmten alles. In Erkenntnis dessen schämte ich mich noch mehr. Ich fühlte mich schrecklich.

 

Aus diesem Erlebnis erkannte ich vieles, das hier zusammenspielte.Ich hatte kein Vertrauen in meine Kraft. Mir mangelte es an Wertschätzung meines eigenen Wissens und meiner Erfahrungen. Das erkannte ich, weil ich das wahrhafte Interesse dieser einen Frau so gering schätzte, dass ich den Vortrag absagte...
Das Thema Wertschätzung beschäftigte mich schon einige Zeit. Es wurde mir klar, und ich entschloss, dass ich den nächsten Vortrag auf jeden Fall halten werde, gleichgültig, wie viele Zuhörer da sein werden.

 

So plante ich meinen 2. Vortrag und `bewarb´ ihn auch direkt bei meiner `Zielgruppe´. Die erste Resonanz beim austeilen meiner Flyer und der Bitte, die Plakate aufzuhängen, war erfreulich und gab mir Hoffnung. Die `öffentliche´Resonanz beim Vortrag war jedoch dann noch geringer als beim ersten Vortrag.
Außer meiner 3 engen Bekannten, die mich begleiteten und meinem Partner, der den Vortrag aufnehmen wollte kam niemand. - Ich hielt den Vortrag trotzdem gerne, weil ich mich über das Interesse und die Wertschätzung meiner Bekannten freute. Ich sah es als Übung an, denn es war ja sozusagen meine Primere :-P

 

Doch es konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in mir unbewusst der Rückzugmechanismus auslöste....
Vor allem auch weil die Kommunikationsgruppe, die ich so gerne gestartet hätte,nicht entstand. - Bis heute noch nicht …

 

All diese `Niederlagen´ brachten mir mehr und mehr in Erkenntnis, was sich innerlich abspielte: Beim Hineinhören in mich kam der zentrale Satz hervor: „Es interessiert ja doch niemanden, was ich `zu sagen´ habe!“
Hinter diesem Satz verbergen sich viele weitere Sätze, die ich in meiner Kindheit gehört und gefühlt habe, aufgrund derer sich diese Überzeugung bildete und festsetzte:
Ich war das letzte von 7 Kindern mit 5 Jahren Abstand zur vorletzten. Ich war Nachzügler, nicht geplant. Ein Eindringling in eine abgeschlossene Familienplanung (wenn man das überhaupt so sagen kann) und durch die Lieblingskindstellung bei meinem Vater war ich noch unbeliebter bei meinen Geschwistern, vor allem bei den `jüngeren´.
Sätze wie: „Was weißt denn Du schon! Du hast ja gar keine Ahnung! Sei doch Du still! Und abfälliges „Was willst Du denn überhaupt!“ und „Du warst ja gar nicht geplant“ waren keine Seltenheit. Auch wenn die Haltung meiner Geschwister verständlich war, tat es doch weh und hat mich für mein Leben geprägt
All diese Ablehnung,die damit verbundenen Gefühle kamen wieder hoch. Die Erinnerung war sehr schmerzlich. Doch zeigte sie mir deutlich,woher ich so felsenfest davon überzeugt war, dass meine Meinung, mein Wissen und meine Erfahrungen nicht wichtig – nicht gehört werden wollten, ja niemand interessierten...

 

Ebenso erkannte ich aber auch den Anteil meiner Scham und Schuld. Denn durch die beliebte Stellung bei meinem Vater, der sehr dominant, kontrollierend, herrisch war und den anderen gegenüber auch zu Gewalt neigte (die ich dann auch einmal, aber erst mit 14 zu spüren bekam), bildete sich in mir die Vorstellung, dass ich meinen Geschwistern die Liebe meines Vaters `stahl´... Ich fühlte mich schuldig, dass ich von ihm (scheinbar) geliebt wurde, während die anderen `nichts Gutes´ von ihm bekamen. Ich schämte mich dass ich da war. Dass ich mehr bekam. Ich gab mir die Schuld, allein durch meine Anwesenheit, dass sie keine Liebe von meinem Vater bekamen.
Wie ich heute weiß, führte diese Überzeugung dazu, dass ich mich von meinem Vater ein Stück weit entfernte, damit meine Geschwister keinen Grund mehr hatten, auf mich sauer zu sein - um sie zu `besänftigen´... ich orientierte mich mehr an ihnen, was jedoch auch nicht wirklich gut ankam.

 

Natürlich konnten meine Geschwister nichts für ihre Haltung. Sie reagierten aus eigenem Überlebenstrieb... Aus eigener Ablehnung und der Entbehrung der Liebe. Mein Vater war schon vor meiner Geburt,wie er war, was ich damals natürlich nicht wusste. Doch für meine Geschwister war es ein Unterschied,einfach keine Liebe zu bekommen und abgelehnt zu werden, als dann direkt zu erleben, `benachteiligt´ zu sein, weil ein Nachzügler all das bekam, was sie nie erfahren durften!

 

Heute, in diesem Moment,bin ich mir über meine Blockade vollkommen im Klaren. Doch wie ich sie auflösen kann, weiß ich noch nicht.

 

Bzw. - Doch – ich weiß ES - Ich weiß,wie ich sie auflösen könnte, doch hier wirkt noch ein anderes Muster. Eine andere Überzeugung:
Es ist wirklich faszinierend,wie sich die Dinge entwickeln und sich Ereignisse aus den unterschwelligen Überzeugungen ergeben.
In der Folge der Erlebnisse mit meinen Geschwistern, meiner Schuldgefühle und meiner Überzeugungen habe ich mich, nachdem sich mein Umorientieren auf meine Geschwister auf Dauer als unwirksam herausstellte, meine Aufmerksamkeit ins Außen gelegt. In meinem speziellen Fall außerhalb der Familie. Meine Eltern haben während meinem ersten Schuljahr begonnen eine Gaststätte zu betreiben. Hier erkannte ich damals eine Gelegenheit, die fehlende Aufmerksamkeit, die ich mir ja von meinem Vater schon lange verwehrte, bei den Gästen zu `holen´.
Dies kam bei meinen Schwestern zwar auch nicht gut an, besonders an meinem Geburtstagen, doch das ignorierte ich inzwischen. Dieses nach Außen treten, um mich zu zeigen, gehört und gesehen zu werden und angenommen zu werden, war für mich damals sehr wichtig, da ich all das in meiner Familie entbehrte...
Doch einige Jahre später ereignete sich unter all den Stammgästen etwas, das mich schlagartig aus dem Außen komplett in mich zurück katapultierte.
Ein älterer Stammgast griff mir, damals ca. 11jährig) unter dem Tisch in die Hose und begrapschte mich `eindringlich´... (selbst jetzt, beim schreiben dieser Worte habe ich noch einen kleinen Stein im Magen.)

 

Scham-Quelle:Pinit
Scham-Quelle:Pinit

Ich habe dieses Erlebnis sooo tief in mir vergraben, dass es erst wieder in Erinnerung kam, nachdem meine eigene Tochter im selben Alter im Lokal meines damaligen Partners unter den Gästen am Stammtisch saß.
Die Panik, dass ihr so etwas passieren könnte, alarmierte mich und ich reagierte aus meiner da noch unerklärten Angst. Die Erinnerung kam langsam, die Starre, in der ich die Handlung über mich ergehen ließ. Die Scham darüber ließen mich schweigen und alles dringlich vergessen...
Leichte Scham steigt tatsächlich immer noch hoch, wenn ich auf Grund eigener Aktionen Aufmerksamkeiten `errege´, die in irgendeiner Weise mit (falsch verstandener) Liebe zu tun haben, aber auch, wenn ich unerwartet in den Mittelpunkt des Interesses gezogen werde.
Komplimente von Männern beschämten mich immer. Die Schamesröte quälte mich immer, wenn es um einschlägige Themen ging, vor allem, wenn man mich mit einbezog oder auf mich bezog.
Heute weiß ich durch die ganzheitliche Betrachtung meiner Erlebnisse, woher das alles kam, was mich aber immer noch nicht davor bewahrt, heute noch rot zu werden,wenn ich unbeabsichtigt die Aufmerksamkeit (eines Mannes) auf mich ziehe. Und gerade wenn mir jemand sympathisch war, war es mir peinlich, wenn sich dieser meiner Sympathie scheinbar bewusst wurde. Ich fühlte mich wie ertappt (HA)
Ertappt, weil ich als Kind im Lokal meiner Eltern nach der Aufmerksamkeit `im Außen´ aktiv gesucht habe. Dass diese mir dann zum Verhängnis wurde, wirkte sich als die vollendete Blockade aus, die mich heute daran hindert, wieder ins Außen zu treten...

 

Das makabere, das sich gerade jetzt in meinem Leben abspielt ist, dass es sich nicht allein dadurch auflöst,wenn man die Hintergründe bzw. die zu Grunde liegenden Gedanken und Überzeugungen kennt. Das alleine bewirkt noch nicht die Heilung. Auflösen lässt sich das alles jedoch schneller, wenn ich nun weiter ungeachtet der Ergebnisse einfach weiter Vorträge anbiete und halte...
Wenn ich könnte...
Ja, das klingt verrückt und es ist auf einer gewissen Ebene auch eine Ausrede. Ich könnte und ich weiß tief in mir lächerlicher Weise auch, dass ich es KANN!
Doch ich trau mich einfach nicht (mehr). Ich verstecke mich immer noch und werde dabei tatsächlich verrückt ! -

 

Es IST verrückt!!!

 

Ich weiß, was ich kann, was ich weiß, wer ich bin und was ich damit anfangen möchte...
Doch ich bin im Moment auf der Suche nach der Lösung → nein, ich warte, dass es sich löst :-O
Ich verstecke mich hier und warte, dass es sich von alleine löst :-P Dass Auf-lösung, Er-lösung geschieht. Dabei ist es nur eine Sache des Vertrauens → des mich trauen!
Ich selbst darf Es auf-lösen, Mich er-lösen...

 

Meine Angst, falsch verstanden zu werden, nicht `berechtigt´ zu sein für das was ich tun möchte, nicht gehört und gesehen zu werden → hat mir die mangelnde Resonanz auf meine `Bemühungen´ erschaffen. Angst davor, anderen die Aufmerksamkeit zu nehmen oder falsche Aufmerksamkeit zu bekommen hat mich blockiert. Dadurch konnten gar keine Zuhörer und Interessenten in `meinen Raum´ eintreten, weil ich die Tür blockiert habe...

 

Dabei ist es so einfach:
Wer mich nicht versteht, kennt die Erfahrungen nicht, über die ich berichte, oder ist nicht bereit, die Zusammenhänge zu hören.
Wer mich als unberechtigt auf meinem Platz ansieht, der hat Zweifel an seiner eigenen `Richtigkeit´, an seiner eignen Berechtigung.
Wer mich nicht hören oder sehen will, der darf gehen oder kommt erst gar nicht...

 

Ja, so einfach ist es – einfach SO.
Fehlender Mut ist manchmal alles, was uns von unserer Freiheit und unserem Selbst Sein abhält -

 

Ich bin auf meinem Weg und ich weiß, dass es viele Frauen aber auch Männer da draußen gibt, denen es ebenso, oder ähnlich geht...mit dem (Selbst-)Vertrauen, dem sich trauen....
Gehst du mit – deinen Weg?

 

Möchtest Du gemeinsam anstatt einsam gehen?
Melde dich – ich rufe je eine Kommunikationsgruppe für Frauen
und auch für Männer ganz kostenfrei für uns alle ins Leben ...

 

In unendlicher Liebe und Dankbarkeit
für alles das sein darf und für DICH

 

© Monika Anasha
11.Dez.2016 - 9:31h