(M)eine `Leidensmasche´ aufgedeckt

 

 

 

Die letzten beiden Tage waren - leidvoll - für mich, doch ohne wirklichen Grund...

 

 

 

Eine Erkenntnis über unsere Partnerschaft, die ich vor 2 Tagen mit geklärtem Blick kommuniziert habe, hat mich aus der tief empfundenen Traurigkeit darüber, dass die Dinge sind, wie sie nun mal sind, in eine Leidensperiode geführt, die ich nicht deuten konnte...

 

 

 

Zuerst habe ich mich dem Gefühl – wie ich es immer tue – vollkommen hingegeben. Diese Hingabe an das was DA ist, führte mich bisher immer auf den Ursprung dessen.

 

Doch diesmal dauerte es länger -

 

Gewöhnlich ist der Prozess nicht so lange, doch heute habe ich mitunter erkannt, je tiefer das Muster eingeprägt und aus der Verschleierung heraus agiert, umso länger dauert es, bis ich es erkenne...

 

 

 

Ich bin 2 Tage leidend und zurückgezogen herumgesessen oder gelegen. Was ich erkannte über unsere Beziehung, ist etwas, das ich schon länger `gesehen´ und auch kommuniziert habe, doch ich hatte mich unbemerkt der illusionären Hoffnung hingegeben, dass die Kommunikation darüber etwas an den Umständen ändern könne. Und weiter habe ich der irrtümlichen Überzeugung nachgegeben, dass es sich alles von alleine löst, wenn ich meine Wunden heile und dass ich in dieser Beziehung die denkbar besten Voraussetzungen finde, das zu tun.

 

Ich habe mich dem Irrtum meines `kleinen Egos´ ergeben, alles löse sich – auch für meinen Partner – wenn alleine ICH meine Probleme in dieser Beziehung erkenne und kläre (Spiegelgesetz).

 

 

 

Doch die Tatsache in einer Beziehung ist nun mal, dass die Energie beider Partner ihre Wirkung zeigt. Hier reicht es nun mal wahrhaftig nicht aus, dass ein Teil → Partner seine (eigenen) Probleme löst um die Beziehungsdynamik in Schwung zu halten...

 

 

 

Für mich ergab unsere Beziehung mehrere Unstimmigkeiten, die ich nicht alle alleine lösen konnte.

 

Mein größter Irrtum war - ob der Kenntnis seiner Verletzungen – ihm aus meinem Verständnis darüber helfen zu wollen.

 

Die Überzeugung, dass ich dazu fähig bin, spielte wohl auch eine nicht unbedeutende Rolle. Doch mein Partner war nicht in der Lage – eben aus seinen tief sitzenden Verletzungen – die Ängste und Schuldgefühle zu überwinden, bzw. seine fest eingefahrenen verdrängenden und ablenkenden Verhaltensmuster erkennen zu wollen, geschweige denn zu durchbrechen.

 

Ich `versteifte´ mich zu sehr auf die `Hilfeleistung´und habe die Zeichen, die mir zeigten, dass ich fehl gehe und ich nichts heilen kann was NICHT meins ist, selbst verdrängt. Dies war MEIN Problem, dem ich mich bis vor 2 Tagen nicht offen gestellt habe.

 

Nun, ich wollte unsere Beziehung wieder `in Schwung´ bringen, wie man so schön sagt. Ihr wieder in die Dynamik verhelfen, in der eine Beziehung wächst.

 

Tatsache ist nun mal, dass ich nur meinen Anteil, mein Paket, meine Probleme, Verletzungen und Wunden heilen kann.

 

Ja, ich kann mein Gegenüber – sei es mein Partner oder wer auch immer – darauf hinweisen, wenn ich erkenne, was `in seinem Grunde´ liegt, doch anschauen, erkennen und heilen, DAS muss derjenige dann für sich selbst. Wenn er dazu nicht in der Lage ist oder nicht hinschauen will, ist das bei Gott seine freie Entscheidung, die ich ihm lassen `muss´.

 

Wenn ich ein Problem damit habe, dann darf ich mich um MEIN Problem kümmern und hinterfragen, was ich daran IN MIR nicht verstehe, akzeptieren oder annehmen kann und warum.

 

 

 

Der beste Therapeut, Psychologe oder Psychiater hat keinen Erfolg und kann einem Menschen nicht helfen, wenn sein Innerstes nicht dazu bereit ist.

 

Ich kann niemandem helfen, der es nicht will, der keine Bereitschaft dazu hat, dessen Ängste oder Verdrängung größer sind als die Hoffnung …

 

 

 

Auch wenn es schmerzt - gerade bei uns nahestehenden, gerade bei Menschen die wir lieben - müssen wir diesen freien Willen, diese freie Wahl eines jeden einzelnen respektieren und akzeptieren.

 

Es ist nicht Liebe, wenn ich gegen den Willen eines anderen ihn zur Heilung zwinge.

 

 

 

Das ist wie wenn ein Patient sich z.B. einen Bänderriss zuzieht und der Arzt verordnet ihm mindestens 4 Wochen `Bewegungspause´ weil er weiß, dass es nur so vollkommen heilt, und der Patient möchte sich aber in seinem Bewegungsdrang nicht einschränken lassen und `spielt´ weiter, indem er sich mit mehr Medikamenten von den Schmerzen ablenkt...

 

 

 

Diese Ablenkung praktizieren wir Menschen bei Seelenleid durch Fernseher, Computer oder Radio, auch Sport ist sehr beliebt dazu oder Party feiern usw.

 

 

 

Nun, es nützt hier nichts, unaufhörlich auf den `Patienten´ einzureden. Dieser kann nur durch eigene Erfahrung erkennen, dass es ihm schadet. Nicht durch erzählte Erfahrungen...

 

Kinder probieren gerade die Dinge aus, von denen wir ihnen abraten.

 

Warum? Weil sie es selbst erfahren wollen und müssen, sonst wissen sie nicht, ob es tatsächlich WAHR ist, was man ihnen sagt!

 

 

 

Liebe ist (auch wenn es schwer fällt, das zu verstehen oder zu glauben), jedem seine eigenen Erfahrungen machen zu lassen, auch wenn wir wissen, dass es früher oder später Schmerzen, Leid oder schlimmeres verursachen wird.

 

Jemandem davor bewahren zu wollen ist nicht Liebe, das ist Kontrolle und Angst.

 

Und DAS ist sehr schwer anzunehmen und auch schwer umzusetzen, doch nicht unmöglich... Es ist bedingungslose Liebe – bedingungslos zu lieben, anzunehmen, auch wenn der andere Dinge tut, die wir als unnötig, falsch oder verletzend erachten. Bedingungslos zu lieben, den anderen `sein zu lassen´, auch wenn er sich in Gefahr begibt oder sich selbst zu tiefst verletzt oder verleugnet... auch wenn andere dabei in `Mitleidenschaft´gezogen werden...

 

Das Geflecht der Synchronizitäten ist für uns nicht durchschaubar. Das Geflecht der universellen Zusammenhänge von Ausstrahlung und Wirkung ist für uns (noch) nicht erkennbar. Es hat alles seine Gründe – auch wenn etwas schief geht... (Hier mag man gerne wieder über mich herfallen :-) )

 

 

 

Doch ich schweife wieder enorm ab...

 

Zurück zu meiner entdeckten `Leidensmasche´... Ich habe 2 Tage gelitten. Doch ich bemerkte, dass nicht die Tatsache, dass ich in der Beziehung und für meinen Partner nichts ändern kann, mich leiden ließ. Es war ein Gedanke, der schon oft in solchen klärenden Situationen aufkam: Dass ich mit meiner Klarheit, mit meiner Direktheit, die Dinge beim Namen zu nennen wieder eine Beziehung `aufgelöst´ habe. Doch dann erkannte ich, dass das nicht der Grund sein kann, denn schließlich hat sich die Beziehung, wie sie allgemein gebräuchlich verstanden wird, schon vor längerer Zeit aufzulösen begonnen...

 

 

 

Ich habe mein `Leid´ sozusagen zur Schau getragen. Habe es vor meinem Partner bewusst nicht verborgen, wenn ich mich ihm zeigte...

 

Hier nun stellte sich mir dann die Frage, was ich eigentlich da mache, nachdem ich beinahe enttäuscht war, dass er sich nach meiner klaren Aussage keine Gedanken darüber zu machen schien... Ich spürte, dass hier wieder etwas wirkte, das ich (noch) nicht verstand und fragte mich, warum ich denn so litt und warum ich Enttäuschung spüre, weil er sich weiter seinen Gewohnheiten widmet und nicht über seine Sicht der Dinge sprach ???

 

Ich fragte mich auch warum ich mich sooo schlecht fühlte, obwohl ich ja nichts getan habe. (Wobei das nur eine Vermutung war!) Obwohl ich ja `nur´ meine klare Erkenntnis über unsere nicht vorhandene Beziehungsdynamik ausgesprochen habe.

 

 

 

Zum einen erkannte ich, dass mein Leiden aus dem Gedanken kam, dass ich (wieder) eine Beziehung mit meiner Klarheit und der daraus entstehenden Konsequenz an die Wand gefahren habe. Zum anderen erkannte ich, dass ich darunter litt, mich hier in einer Situation festgefahren zu haben, aus der ich im Moment nicht heraus kann. Ich bin der Situation in gewisser Weise ausgeliefert und `muss aushalten´ bis ich mich wieder `frei bewegen´ kann. Das klingt verrückt, doch es ist gerade wirklich so.

 

 

 

Dass ich mein Leid nicht überwinden konnte, es sich nicht wie sonst gewohnt, in einer Erkenntnis `auflöste´, irritierte mich weiter...

 

Hier kam dann die Frage, was ich übersehe? Diese Frage stellte ich auf meinem Entwicklungsweg schon öfter, wenn sich die `Lösung´ nicht offenbaren wollte.

 

Ich fragte mich unumwunden, wo ich denn schon wieder etwas übersehen habe !

 

Ich hatte ja keinen Grund zu leiden. Ich hatte nur klare Erkenntnisse (mit)geteilt - und es war gut so.

 

Warum litt ich dann so? Wo übersah ich etwas? Was übersah ich? Warum stellte ich mein Leid so `zur Schau´ und fühlte mich deswegen auch noch … >widerlich< … ???

 

Nebenbei bemerkt, fand ich es häufig tatsächlich widerlich, wenn jemand auf diese Tour Mitleid und Mitgefühl erhaschen wollte... (schäm)

 

 

 

Hier lag der Hase im Pfeffer - - -

 

 

 

Heute morgen (der Morgen birgt für mich immer die wertvollsten Offenbarungen und Erkenntnisse) stieg dann die Erinnerung und die volle Wahrheit über die Zusammenhänge in mir auf...

 

 

 

Die Leidensmasche war eine `Überlebensstrategie´, die ich als Kleinkind entwickelt habe. Als unerwünschtes letztes von 7 Kindern, hatte ich keine guten Karten im Familien – bzw. Geschwistergeflecht. Als kleines Kind hatte ich die Strukturen und meine Chance darin intuitiv erkannt und es ist auch klar, dass ein Kleinkind auf die Fürsorge und Aufmerksamkeit der Eltern und auch der älteren Geschwister angewiesen ist. Da ich bei meinen Geschwistern aber weitgehend unerwünscht und ungeliebt war, habe ich einige Verhaltensweisen entwickelt, die mir wenigstens hin und wieder die Aufmerksamkeit, Fürsorge und manchmal Trost einbrachten.

 

So auch die Leidensmasche...

 

Als kleines Kind bist du völlig der Fürsorge der anderen ausgeliefert – hier die Parallele zur heutigen Situation in der ich mich im Moment tatsächlich irgendwie ausgeliefert fühle. Als kleines Kind kannst du dir keine anderen Eltern suchen oder einfach ausziehen. Du musst `ausharren´ bis du erwachsen bist und Möglichkeiten finden, die Zeit so gut wie möglich - möglichst unbeschadet zu überstehen...

 

Die Enttäuschung, die ich teils verspürte, kam aus einem Erlebnis mit 2 meiner Schwestern, das sich heute morgen - die ganze Antwort liefernd – zeigte:

 

Ich war etwa 8Jahre alt und lag weinend in meinem Bett. Ich weiß nicht mehr warum ich weinte, doch das ist auch nicht relevant. Interessant ist, dass ich mich sehr genau erinnere, dass ich `absichtlich´ hörbar weinte, weil ich getröstet werden wollte.

 

Doch an diesem Abend passierte etwas, das meine Enttäuschung birgt.

 

Meine `Masche´ wurde von beiden Schwestern, mit denen ich das Zimmer teilte, durchschaut und ich hörte mit, wie sie sich darüber ausließen und sich wechselweise davon abhielten, sich zu mir zu legen und mich zu trösten, weil ich ja genau das wolle !

 

Ich weinte noch mehr, ob des versagten Trostes und ob der Enttäuschung, dass ich `aufgeflogen´ war... Es schmerzte, denn sie hatten recht, und das war mir damals schon sehr bewusst...

 

 

 

Ich denke, an diesem Abend habe ich dieses Masche zum letzten mal `angewendet´ weil sie ab da wirkungslos war und schlimmer noch, das Gefühl, wie widerlich meine Schwerstern es fanden, was ich tat und wie ich versuchte Trost zu bekommen – wie widerlich sie MICH fanden, war für mich deutlich spürbar und das hinterließ auch eine Wunde. Hier erklärt sich nun auch mein eigenes Gefühl des `widerlichen´ Verhaltens, das ich ausübte, ohne erklären zu können warum, geschweige denn es kontrollieren zu können.

 

 

 

Ja - nun hat sich über diese Erinnerung auch mein Leiden aufgelöst und ich fühle mich allgemein wohler.

 

Wie sich die klare Erkenntnis über unsere Partnerschaft, die dieses `Leiden´ erst hervorgeholt hat, auswirkt, darf sich zeigen.

 

 

 

Ich durfte wieder ein altes, heute schädliches und unnützes Verhaltensmuster aufdecken und bin dankbar darüber. Nach und nach kommen die Dinge ans Licht und ich weiß, dass ich beim nächsten mal, wenn es sich zeigen mag, sofort erkennen werde, was da wirkt und sich dadurch dieses Muster mehr und mehr auflösen wird..

 

 

 

Vielleicht erkennt und versteht so mancher an sich selbst dieses Muster und kann es nachvollziehen und sich seiner gewahr werden, wenn es sich zeigt...

 

 

 

 

 

In unendlicher Liebe und Dankbarkeit

 

© Monika Anasha

 

24. April 16 – 11:14h