Ich wohne auch hier

 

Mein heutiges Gefühl... Ich werde übergangen, abgedrängt...

ich wohne hier und fühle mich wieder als – hm – weiß nicht, fällt mir gerade nichts passendes ein...

Zumindest habe ich irgendwie wieder keinen `eigenen festen´ Platz, wo niemand `eindringt´...

 

Unangemeldeter Besuch für Franz, die nur `schwafeln´... Ich geselle mich schon nicht dazu, weil es seine alten `Freunde´ sind, mit deren Mentalität ich einfach nicht klar komme... mit deren (für mich) unwesentlichen Geschwätz ich mich einfach nicht wohl fühle...

Um nicht ganz unhöflich zu sein, halte ich mich im Wohnzimmer ruhig und widerstrebe dem Impuls die Tür zu zumachen... was ohnehin nichts bringen würde, da ja eine Scheibe fehlt...

Ich kann das `Gespräch´ einige Zeit ausblenden, doch es verursacht trotzdem mit der Zeit Kopfschmerzen und meine innere Unruhe und Spannung steigt. Mein Fluchtimpuls wächst – und mein Ärger - …

Bevor ich was dummes tue und dem Ärger am Ende auf unpassende Weise Luft machen, packe ich meinen Laptop und gehe mit einem – nun ja, nicht gerade erfreuten `Servus´ nach unten.

 

Es ärgert mich sehr, dass ich wegen deren unangemeldetem Besuch in die `eisigen´ Räume nach unten ausweichen muss... Das alleine wäre noch nicht einmal das Problem. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich vorher eingeheizt und mich frühzeitig zurückgezogen. Es hätte uns allen diese unschöne Energie erspart. Denn nachdem ich unten war, haben sie sich doch innerhalb kurzer Zeit verabschiedet...

 

Was hätte ich tun können?

Ich hätte sie (freundlich) begrüßen können und mich trotzdem sofort zurückziehen können – was meinen Ärger über den unangemeldeten Besuch nicht erspart hätte und auch die Räume unten nicht wärmer gewesen wären. -

Ich hätte sofort die Wohnzimmertüre schließen können, dann wäre zumindest offenbar geworden, dass ich kein Interesse an diesem Besuch habe und es den Besuch evtl. abgekürzt hätte – was mich zwar in einem warmen Raum hätte sein lassen aber ich trotzdem die Unterhaltung `mit bekommen´ hätte und das war für mich der eigentliche Unwohl-Faktor !

 

Ich habe getan, was ich getan habe...

  • Ich habe sie nicht begrüßt – weil ich im Wohnzimmer blieb, da ich mich von vornherein nicht `beteiligen wollte und sie mich scheinbar auch nicht bemerkt haben –

  • Ich habe die Wohnzimmertür nicht geschlossen – weil ich nicht `unhöflich´ sein wollte und es von der Akustik her auch nicht geholfen hätte.

  • Ich habe versucht, alles auszublenden und ruhig alles sein zu lassen.

  • Ich habe mich auf `meins´ konzentriert.

  • Ich habe aber nicht auf Dauer alles fern halten können und so die aufsteigende Spannung in mir nicht mehr verhindern können.

  • Ich habe das widerstreben, im Wohnzimmer sitzen zu bleiben, nicht mehr unterdrücken können.

  • Ich habe überlegt, wie ich mich am `höflichsten´ und einfachsten aus dieser Situation herausziehen kann, bevor die Spannung und mein Ärger weiter wächst.

  • Ich bin – so höflich wie ich in diesem Moment mit der in mir bestehenden Spannung – mit einem kurzen Gruß nach unten gegangen.... !

 

Es war das Beste, was ich in dieser Situation tun konnte. Das in diesem Moment höflichste. Auch wenn es möglicherweise dazu geführt hat, dass die beiden nun sicher sind, dass ich mit ihnen `nicht kann´... Es ist nun mal so … Und ich muss auch nicht mit ihnen können!! Es sind nicht meine Freunde und nur weil sie zu Franz kommen, muss ich nicht passen... muss ich mich nicht `fügen´.

 

Es wäre aber schön, wenn sie sich künftig anmelden würden, damit ich mich darauf vorbereiten kann und wir alle uns nicht wieder in solch einer Situation wiederfinden.

Denn sonst werde ich dann klar und deutlich aussprechen, dass mir Ihre Kommunikation zu `seicht´ und unwesentlich ist, ich mich nicht daran beteiligen möchte weil ich mich einfach nicht mit ihnen wohl fühle.

 

ICH WOHNE AUCH HIER !!!

 

 

Im Nachhinein betrachtet hat sich der Ärger in mir nur gezeigt, weil ich (wie so oft) von Anfang an nicht im Stande war, offen und aufrecht zu sein und mich gleich zurückzuziehen.

Wiedermal habe ich, um nicht zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen, vor allem Franz nicht `dumm dastehen´ zu lassen, versucht, etwas `über mich ergehen´ zu lassen – es an mir `vorüberziehen´ zu lassen, damit sich niemand `schlecht´ fühlt, weil ich nicht `dabei sein wollte´...

Und weiter betrachtet, ist dieser letzte Wunsch eine unsinnige Erwartung und `Forderung´ auf alten Verhaltensmustern:

 

Es ist schon interessant, wie alte Verhaltensmuster sich immer wieder einschleichen:

 

Man grüßt höflich, wenn Besuch kommt!“ (Auch wenn er nicht zu dir persönlich kommt und dich nicht `interessiert´)...

Man erweist dem Besuch Achtung indem man am Gespräch `teil nimmt´ - dabei bleibt!“

Man `verletzt´ den Besuch um Gottes Willen nicht mit `nicht Achtung´ indem man einfach geht!“

Und ganz und gar nicht „lässt man Angehörige durch unhöfliches Verhalten schlecht da stehen.“

 

All diese Gedanken und erlernten, übernommenen Muster sind mir in den Sinn gekommen und ich ärgerte mich vor allem über mich selbst, weil ich wieder zum Teil auf sie rein fiel.

Anstatt auf mein eigenes Wohlbefinden zu achten, habe ich versucht `nicht ganz so unhöflich´ zu sein. Was dazu führte, dass ich den kompletten Prozess meiner eigenen Missachtung durchlebte und im Ärger auch wieder eigene `Erwartungen´ stellte...

 

Nun, solche Situationen werden mich weiter so lange `heimsuchen´, solange ich mich nicht aufrecht abgrenze und sofort in Selbst-Achtung ehrlich mitteile, was eben IST...

Das wird mir nicht durch die irrwitzige Erwartung, dass andere `in Höflichkeit´ handeln und Rücksicht nehmen, erspart bleiben. Genau deshalb eben – weil ich selbst nicht auf mich und mein Befinden in diesem Moment `Rücksicht´ genommen habe.

 

Sich selbst abzugrenzen, auf sich selbst zu achten, ist keine Schande.

Es ist wichtig, um jedem anderen für sich selbst die Gelegenheit zu geben, zu entscheiden, wie er sich selbst, in Kenntnis der/deiner `Wahrheit über die Verhältnisse´, weiter verhält...

 

© Monika Anasha

6. Januar 16 – 14:45